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Große Autoren – Prinzessin Marthe Bibesco (u) 3

20.1.13. 3

Martha Bibescus erstes Buch – „Les huits paradis“ – wurde auf Anregung von Maurice Barrès geschrieben und von der Académie française prämiert. Es erschien 1908 und schilderte die Erfahrungen einer diplomatischen Sondermission, die der rumänische König Karl I. von Hohenzollern-Sigmaringen ihrem Ehemann, Prinz George Valentin Bibescu, anvertraut hatte. Mit drei Mercedes Cabrios reiste man 1905, so schnell wie bloß möglich, von Bukarest nach Ispahan, in Persien – für die damaligen Verhältnisse, ein wahres Abenteuer …

Martha Bibescu schrieb unter dem Pseudonym Lucile Decaux auch für etablierte Modezeitschriften wie „Harper’s Bazaar“ und „Vogue“, für Tageszeitungen wie „Paris-Soir“, „The Saturday Evening Post“, „L’Illustration“ und „Les nouvelles littéraires“ oder Drehbücher wie beispielsweise für den Streifen „Katia“, mit Danielle Darieux und John Loder in den Hauptrollen, unter der Regie Maurice Tourniers. Der Film hatte am 19. Oktober 1938 eine sehr erfoglreiche Prämiere in Paris.

Literarische Salons, wahre „bureau d’esprits“, die in Frankreich eine große Tradition vorweisen können, waren auch damals, wie heute, der Treffpunkt der Eliten. Der so genannte Salonlöwe genoß unendlichen Respekt. In der doch so typischen Atmosphäre des „intimen Abstandes“ (Cioran) verkörperte er den in jeder Hinsicht hochgebildeten Schön- und Feingeist, der sich durch gepflegte Konversation und/oder durch Musik intellektuell durchsetzen konnte. Martha Bibescu gehörte, zusammen mit Ihrem Gatten und zahlreiche Verwandten beider Familien, der damaligen „Szene“ vollständig an. Sie war mit einer Reihe großer Autoren sehr eng befreundet wie beispielsweise Marcel Proust, Paul Valéry, François Mauriac, Paul Claudel, Anatole France, Paul Morand, Antoine de Saint-Exupéry, Vita Sackville-West, Rainer Maria Rilke, Jean Cocteau u.a. Gleichzeitig war sie Mitglied der Königlichen Belgischen Akademie für Literatur und Französische Sprache und der aus dem XIV. Jahrhundert stammenden, sehr exklusiven, heute älteste noch funktionierende Sprach- und Literaturgesellschaft, Acadèmie des Jeaux Floraux aus Toulouse, die primär das Okzitanische (Provençalische) pflegt und schützt.

1962 erhielt sie von De Gaulle die Legion d’Honneur.

Große Politiker zeichnen große Visionen aus. So wie Bismarck beispielsweise in einer Rede um 1880 herum für das nächste Jahrhundert, das XX. also, voraussagte, dass entscheidend sein werde, dass die neu aufkommende Großmacht USA die gleiche Sprache wie Großbritannien spricht (Cioran: Man wohnt nicht in einem Staat sondern in einer Sprache), so sah auch De Gaulle seinerseits weit voraus. Nichts bewahrheitete sich mehr als Bismarcks Voraussage, von den exponierten deutschen Politikern der betreffenden Zeit leider nicht oder missverstanden. Die Konsequenzen sind wohl bekannt. Die USA hätten freilich auch Französisch oder Spanisch oder sogar Deutsch sprechen können aber sie sprechen nun mal Englisch, Pitt sei Dank, und das zählt vorerst!

De Gaulle besuchte 1968 Rumänien. Während des Kalten Krieges und trotz Eisernen Vorhangs, hatte Frankreich, wie auch Italien, seine Beziehungen zu Rumänien nicht abgebrochen und weiter nach Möglichkeit unterhalten oder sogar ausgebaut, offiziell wie auch auf privater Schiene. De Gaulles Besuch überlappte sich mit den großen studentischen Unruhen in Paris, weswegen er auch verkürzt werden musste. De Gaulle flog zunächst von Bukarest nach Deutschland, genauer gesagt nach Baden-Baden, im französischen Besatzungsgebiet, wo sich ein mit ihm gut befreundeter und vertrauensvoller General im Amt befand. Erst als er dessen Zusicherung für die weitere Unterstützung seitens der französischen Streitkräfte erhielt, flog er wieder Heim nach Paris. Es ist bekannt, dass in innenpolitischen Unruhen, letztendlich immer die Armee das letzte Wort hat – egal wo und wie und wann.

De Gaulle kannte Martha Bibescu auch privat gut und er beriet sich auch mit ihr bevor er nach Bukarest aufbrach. Ähnlich ging François Mitterand vor, als er Anfang der 90-er Jahre Bukarest besuchte. Er beriet sich mit Emile Cioran, den er ohnehin gut kannte und sehr schätzte. De Gaulle kann, wohl neben Franco und Stalin, als der größte Politiker des XX. Jahrhunderts bezeichnet werden.

Franco war schlau genug und verstand es Spanien aus dem Krieg herauszuhalten trotz des zunehmenden deutschen Drucks – es gab großes Interesse an den spanischen Häfen, dann Gibraltar natürlich, etc. (Vor allem aber die Italiener, die auf See damals sehr stark und technisch fortgeschritten waren, weit voraus vor allen anderen, operierten viel vor Gibraltar und im Mittelmeer. Man denke hier beispielsweise allein an den Prinzen Valerio Borghese).

Außerdem waren und sind die Spanier schon immer gute alte Freunde der Deutschen. Dies ergibt sich aus der klassischen Gegnerschaft zu England und zu dessen Freunde, die Portugiesen und die Holländer – die alten Seefahrernationen. Schon als Alexander von Humboldt mit Aimé Bonplant nach Südamerika für seine nachträglich doch so berühmt gewordene Reise aufbrechen wollte und von der spanischen Schutzmacht Sichtvermerke für jede einzelne dortige Kolonie brauchte, machte in England bereits das Gerücht die Runde, er sei ein deutscher Spion im spanischen Interesse … Trotzdem verstand es Franco Hitler zu widerstehen OHNE ihn vor dem Kopf zu stoßen, denn das ist ja auch die große Kunst der Diplomatie: Nein sagen zu können/zu müssen aber weiter in Freundschaft unter voller Berücksichtigung der Interessen bleiben zu können.

Des Weiteren hat es Franco sehr gut verstanden Spanien (mit etwas fremder Hilfe) aus dem möglichen tödlichen Griff des Bolschewismus herauszuhalten, um anschließend den perfekten und sanften Übergang zur konstitutionellen Monarchie zu schaffen. (Womöglich liegt hier de Grund warum man nach dem Zweiten Weltkrieg Spanien vor den Fleischtöpfen des Marshallplans außen vor gelassen hat). Kein Wunder also, dass es diesem Land in den letzten Dekaden des vorrigen Jahrhunderts doch so gut ging …

Stalin für sich, mit seiner Härte und Bauernschläue, hat es verstanden Churchill und Roosevelt, der Letztere vor allem ein bereits seniler Träumer, über den Tisch zu ziehen und der UdSSR einen noch nie da gewesenen Einflußbereich, bis hin im Herzen Europas, zu bescheren. Ob Russland jemals einen solchen Einflussbereich wieder erreichen wird, ist fraglich. Manche behaupten ja und sehen in den Russen ein sehr starkes, noch unterentwickeltes Volk, mit einem durchaus vorhandenen Potential bis zum Atlantik zu gelangen. Solche konkrete Pläne existierten bereits in den dreißiger Jahren, welche wurden sogar in Ost-Berlin 1989 noch gefunden … Ihre tiefe Seele, die tiefste nach der Deutschen, beherbergt sicherlich viel Potential. Spengler dagegen sah Russland als ein fränkisches Reich heutiger Tage und als zebröckelungsgefährdet mit der Folge der Entstehung neuer, anderer selbständiger Staaten, ähnlich der Entwicklung Westeuropas in den letzten ein tausend Jahren.

De Gaulle dagegen verstand über die Zukunft Europas mehr. Er sah eben keine Dauerlösung im deutsch-französischen Konflikt als die langsame, schrittweise Vereinigung dieser beiden Staaten, die letztendlich eben aus der gleichen Wurzel entsprangen. Dieser Prozess entfaltet sich eben, kaum bemerkbar, aber er schreitet langsam aber sicher voran. Auch verstand De Gaulle rechtzeitig, dass Russen und Amerikaner sich nicht zu Schade wären auf europäischem Boden einen weiteren, unter Umstände sogar nuklearen Krieg zu entfachen, ohne Rücksicht auf Verluste. Zu Schaden kämen die anderen … Sie selbst wären ja weit weg vom Geschehnis. Diese Erkenntnis, gekoppelt mit der schäbigen anglo-amerikanischen Politik gegenüber den Osteueropäern, primär Polen und Rumänen aber auch Tschechen, führte De Gaulle dazu Frankreich die Atomwaffe unbedingt bringen zu wollen. Es führte auch zu dem schweren Zwist mit Churchill, der für sich eigentlich Frankreich sehr liebte. Er hatte auch ein Haus in der Provençe, in dem er sich oft zurückzog, um zu malen. Man darf nicht vergeßen, dass De Gaulle im Krieg in London die Exilregierung führte (sein Büro befand sich im heutigen britischen Außenministerium). Er war dermaßen enttäuscht über die verräterische Haltung der Engländer gegen Ende des Zweiten Weltkrieges und kurz danach, dass er sogar veranlaßte, dass sämtliche Engländer sofort Frankreich zu verlassen haben. Es waren meistens Geheimdienstleute, die während des Krieges den Franzosen zur Seite standen und für die Résistance ordentliche Beiträge im Kampf gegen die deutsche Besatzung ableisteten. Trotzdem mussten sie sofort gehen. Da Frankreich sowohl ökonomisch als auch militärisch zum gegebenen Zeitpunkt schwach war, hatte es kein Wort bei den entscheidenden Verhandlungen (Teheran, Yalta beispielsweise) mitzureden oder wurde erst gar nicht eingeladen. Wahr ist dabei auch, dass der französische Beitrag zum Sieg gegenüber der Achse äußerst gering war. Trotzdem galt das Land nach dem Krieg als „Siegermacht“ und durfte aus der Beute schöpfen. Etwas später, als Grossbritannien der EU beitreten wollte, lehnte das De Gaulle regelmäßig ab. Sein Nachfolger Pompidou stimmte jedoch dem Antrag zu. Heute stellt man ein Mal mehr fest, was das für ein großer politischer Fehler doch war: man holte sich das trojanische Pferd der Amerikaner ins Haus oder besser gesagt die Laus im Pelz. Nun sind wir soweit, dass sogar die EU-Außenministerin Engländerin ist und kein kontinentaler Politiker. Auch das Antreten Tony Blairs als Kandidat für die Präsidentschaft der EU war für den Unterzeichner dieser Zeilen ein sehr großes Wagnis um es nicht Dreistigkeit zu nennen …

Der Besuch De Gaulles 1968 in Rumänien muss somit in diesem Zusammenhang verstanden werden.

Es grüßt Euch herzlich, Don Vio, bis demnächst …

Copyright (C) Don Vio. Dr. Viorel Bucur – Arzt & Publizist, Privatdenker. Alle Rechte vorbehalten.

 

 

 

 

13 Comments

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