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Über Deutschland … und Frankreich! 1+2+3

Februar 2014 1

Lieber Leser,

nun bietet uns die doch so lebhafte Geschichte der Prinzessin Martha Bibescu (o) eine gute Gelegenheit uns ein bißchen mit Deutschland und Frankreich, so wie mit ihren Beziehungen, zu befassen.

Die kritische Größe Deutschlands, heute und erst recht früher, war und bleibt der eine tiefsitzende Dorn in der französische Denkweise gegenüber diesem Nachbar. Schon nach dem Ersten Weltkrieg stand eine Teilung Deutschlands unter französischer Anregung zur Debatte und Mitterand fiel es gewiß schwer 1989 der Vereinigung zu zustimmen und gebildet wie er nun mal war (der vielleicht gebildeteste aller französischen Präsidenten) ließ er sich nicht die schöngeistige Bemerkung entnehmen „in Frankreich liebe man Deutschland eben so sehr, man wolle weiterhin zwei davon haben“. Anders lassen sich neuere Entwicklungen, bei dem HEUTIGEN Zustand der Beziehungen wohlbemerkt, nicht erklären und zwar der Versuch Frankreichs 2010 ECHELON beizutreten zum Beispiel oder Sarkozys Unterstützung für eine Kandidatur Tony Blairs als EU-Chef. Beide Schritte sind als Zumutung für jeden Kontinentaleuropär zu deuten, um es nicht blanken Verrat zu nennen. Blair erhielt auch nur ein paar müde Prozente und wurde dadurch auch zu Recht abgewiesen und der Beitritt Frankreichs zu ECHELON fand bis heute auch nicht statt (?).

Der zweite tiefe Dorn in der französischen Denkweise Deutschland gegenüber wird von den linksrheinischen Gebieten verkörpert. Richelieu hatte bereits gesagt und vielleicht auch für die zukünftige Außenpolitik Frankreichs festgelegt, dass der „natürliche“, „gottgegebene“ Lebensraum der Franzosen sich von den Pyrinäen bis zum Rhein erstrecke. Wer mal nach Nancy fährt (und dies wird allen wärmstens empfohlen), der besuche doch das Emile-Gallé-Museum und beachte den großen, geschnitzten Holztisch, der einen bereits im Vorzimmer empfängt. Eine genaue Betrachtung lohnt sich allemal …

Nun war Richelieu gewiss ein ganz großer Politiker, mit weitgehenden Visionen, die zum Teil bis heute unser aller Leben prägen. So wurde durch den westfälischen Frieden von Münster/Osnabrück nach dem von Frankreich und Schweden gewonnenen dreißigjährigen Krieg beschloßen den Deutschen sämtliche Häfen und Flußmündungen abzunehmen. Dadurch verpaßte man das koloniale Zeitalter in Deutschland, eine Tatsache die bis heute weitreichende Konsequenzen hat, wenn man in Betracht zeiht, dass eben Afrika die nahe und mittelfristige Zukunft darstellt. Nach wie vor liegen also die ehemaligen Kolonialmächte bestens im Rennen für die Zukunft, während Deutschland hinterher schaut.

Es stellt sich die berechtigte Frage wieso Richelieu zu dieser Schlußfolgerung gelang. Während große Teile der germanischen Territorien von den Römern besetzt waren, vertrauten diese die Verwaltung der rechtsrheinischen Gebieten für längere Zeit den Belgiern an. Die Germanen hatten damals den Rhein noch nicht überschritten. Dies geschah erst später. Womöglich ist das ein Grund für diese Überlegungen.

Die Angst vor der kritischen Größe Deutschlands also zwang und zwingt wohl immer noch die Franzosen sich mit ihren Erzfeinden, den Angle-Sachsen, trotz tausendjähriger erbittertter Feindschaft mit England beispielsweise, zu verbünden. Dieser Widerspruch verkörpert den zentralen rote Faden der gesamten französischen Außenpolitik. Umgekehrt ist auch England von Frankreich (und Belgien) abhängig, denn derjenige, der Frankreich und/oder Belgíen besetzt, hat es nicht mehr weit bis London.

Soviel für heute, bis demnächst, Don Vio grüßt euch alle herzlich!

Copyright Don Vio (C). Viorel Bucur – Arzt &Publizist.

Alle Rechte exklusiv vorbehalten.

Juni 2014 – 2 –

Menschen, die tiefe oder sogar zu tiefe Überzeugungen haben, sind für die Politik ungeeignet. In diesem – wohl schwersten – Tätigkeitsfeld ist eine gewisse Flexibilität, die nur durch etwas mehr Oberflächlichkeit zu erreichen ist, unentbehrlich, und die dadurch ebenfalls bedingte, grundsätzliche Kompromissfähigkeit obligatorisch. Auch wird die große Außenpolitik immer in kleinen aber sicheren Schritten durchgesetzt, mit viel Geduld und, unter Umstände, auch erheblich längere Zeiträume in Kauf nehmend. Man schaue sich doch eine Karte Frankreichs aus dem XVI. Jahrhundert an und vergleiche sie mit der heutigen. Was für ein Unterschied! Und man kann sich sicher sein, dass bei günstiger Gelegenheit, erneut zugeschlagen wird, wie es doch Maurras seinerzeit vorschwebte, als er meinte, an der Mosel könnten sich durchaus noch „kleine Elsässe und Lothringe“ hier und da ergeben …

Nun sind wir der Meinung, dass die Deutsch-Französische Annäherung der Nachkriegszeit (De Gaulle-Adenauer), auch wenn sicherlich, theoretisch mindestens, sinnvoll, nicht von Dauer sein wird. Ähnliches spielte sich in den zwanziger Jahren ab, unter Briand und Stresemann. Was folgte, wissen wir. Auch damals gab es klarsichtige Leute, die darüber zweifelten und schrieben (Cioran). Es herrscht in Deutschland, in breiten Schichten der Bevölkerung, nach wie vor eine tiefsitzende, ja sogar viszerale Aversion und Verachtung gegenüber allem Französischen, gegenüber dem französischen Element insgesamt – sei es die Sprache oder das französische Auto oder sonstiges. Nicht sehr viele scheinen sich für den französischen Lebensstil mit seinen ganzen Façetten zu begeistern und die Basis der jetzigen Freundschaft erscheint uns sehr dünn. Sie beginnt sogar mit dem jetzigen Präsidenten zu bröckeln, der sich wieder den Angel-Sachsen zuwandte und die Bindungen zu Deutschland lockerte.

Die Unterschiede in der Denkweise sind einfach zu groß. Auch die Interessen sind grundverschieden. Während Frankreich ein atlantisches UND ein mediteranes Land ist, eine sonderbare Stellung auch Italien beispielsweise gegenüber, spielt Deutschland auf einem völlig anderen Feld. Die revolutionäre und aufmüpfige Mentalität des Franzosen ist dem Deutschen ebenfalls völlig fremd. Jeder Deutsche, der nach Paris fährt, erwartet dort deutsprechende Personen anzutreffen – nichts realitätsferneres! – während ein Franzose natürlich erwartet, dass der Kommende seine (Welt)Sprache beherrscht. Auch gibt es nach wie vor in Paris keinen Berliner Platz, in Berlin jedoch schon einen Pariser Platz. Die Waage ist daher immer noch zu Gunsten Frankreichs gestellt. Fährt man in die France profonde und in den Süden findet man nach wie vor an den bedeutenden Gebäude vieler Orte Tafeln, die an deutsche Taten aus dem Zweiten Weltkrieg erinnern und sie dermaßen darstellen, als ob sie erst gestern geschahen …

Natürlich ist in einer solchen Atmosphäre wenig Vertrauen vorhanden.

Nur so viel für heute, es grüßt Euch wie immer Don Vio.

Copyright (C) Don Vio – Viorel V. Bucur, Privatdenker (Arzt & Publizist).

Alle Rechte vorbehalten.

Februar 2015

Nun lieber Leser, möchten wir ein paar Zeilen zur Jubiläumsfeier für Winston Churchill schreiben, der wohl schlechteste Politiker des XX-en Jahrhunderts. Dieser Mann hat sich angemaßt Europa zu teilen und den Russen den Weg bis nach Mitteleuropa, im Herzen Berlins, zu ebnen. Die Konsequenzen kennen wir alle nur zu gut. Sie dürfen keinesfalls vergeßen werden. Diese schmutzigen „Deals“ aus dem Hinterkämmerchen, trotz anderslauternder und fadenscheiniger Behauptungen und Begründungen, bereits früzeitig geschmiedet, führten nun zum offenen Konflikt mit De Gaulle und Frankreich und zum Bruch der Alliierten Front. Frankreich wurde umgehend Atommacht und unterhielt im Zuge des Kalten Krieges seine traditionellen Beziehungen zu Polen und Rumänien weiterhin aufrecht – so gut es eben konnte. Auf De Gaulles eigenem Geheiß wurden anschließend sämtliche Engländer aus Frankreich herausgeschmießen, viele von ihnen Geheimdienstler, die im Krieg zu Frankreich gestanden und für Frankreich gegen die deutsche Besatzung aufrichtig gekämpft hatten. Trotzdem war die Enttäuschung über Churchills und Roosevelts Verrat an die Osteuropäer und diese unvorstellbare strategische Dummheit zu groß. Es war auch mit ein Grund warum Churchill die erste Wahl gleich nach dem Krieg verlor. Sein eingenes Volk schien zu verstehen, was gerade passiert war! Bis zur Zeit von Sarkozy wurde diese Politik konsequent fortgeführt. Nun änderte sich etwas, als dieser Präsident wurde. Frankreich trat den militärischen Strukturen der NATO wieder offen bei, bekam dafür ein paar Leckerbissen von den Amerikanern (dicke, bedeutende Posten …) und die Beziehungen tauten wieder auf. Womöglich hing das auch mit dem Wiedererstarken Deutschlands nach 1990. Das ewige Dilemma der französischen Außenpolitik ist eben die kritische Größe Deutschlands und die dadurch bedingte zwingende Allianz mit den Angel-Sachsen, mit denen man sich aber gleichzeitig seit 1000 Jahren Todesfeind ist!

Die heutige englische Politik, die im wirtschaftlichen Bereich exzellent ist und daher gut funktionniert (Engländer können eben mit Geld umgehen!), läuft international in groben Zügen nach den Leitlinien Enoch Powells, die eine strategische Freundschaft mit Russland gegen den Rest vorsehen und das prinzipielle Mißtrauen den Amerikanern gegenüber – Republik gegen Monarchie – hochhält.

Enoch Powell war ein sehr weiser Mann. Mit 70 fing er noch an Hebräisch zu lernen … Er fungierte als Berater von Margaret Thatcher und äußerte sich seinerzeit zu mehreren wichtigen Themen, wie zum Beispiel zum hochaktuellen Problem der Einwanderung. In Großbritannien ist diese Frage wesentlich älter als bei uns, und ähnlich mit Frankreich, viel gravierender, denn die Eingereisten sprechen alle perfekt Englisch oder Französisch, weil sie primär aus Ländern des Commonwealth oder der Fracophonie stammen. Sie gleiten, sozusagen sprachtechnisch, unbemerkt und faktisch problemlos in diese Länder herein. Bei uns ist das völlig anders und wir werden erst jetzt mit dem Problem konfrontiert. Man stelle sich vor, dass alle Türken die herkamen, perfekt Deutsch sprechen würden … So in etwa die Lage in Frankreich und England. Enoch Powell hat darauf hingewiesen, dass das Einwanderungsproblem kein ethnisches sondern ein rein nummerisches Problem ist. Es gibt scheinbar in Gesellschaften kritische Mengen und Werte. Deren Erreichen kann zur großen Explosion führen. Scheinbar nähern wir uns allmählich diesen Werten in Großbritannien, Frankreich, Holland und, langsam, allmählich, auch hier. Das bezeugen die zahlreichen neuen politischen Bewegungen und Parteien, die sich diesem Thema widmen und die wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden schießen.

Nur so viel für heute, es grüßt Euch wie immer Don Vio.

Copyright (C) Don Vio – Viorel V. Bucur, Privatdenker (Arzt & Publizist).

Alle Rechte vorbehalten.